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Umweg für billigen Sprit lohnt nicht immer

Hintergrund
18. Mai 2010

Es gibt Autofahrer, die fahren kilometerweit, um beim Spritpreis ein paar Cent zu sparen. Das rechnet sich meist nicht. Wer weiter zur Tankstelle fährt als nötig, oder sogar extra zum Tanken den Motor anwirft, spart in der Regel nur scheinbar und schadet der Umwelt, sagt der TÜV Süd aus München.


Einen Kilometer, fünf oder 25 zurücklegen für einen halben, einen oder 20 Cent billigeren Sprit? Wer genau kalkuliert, ob sich die Extra-Fahrt rechnet, merkt schnell: Die vermeintliche Ersparnis ist rasch verfahren. Wer mit kaltem Motor extra zur Tanke startet, verrechnet sich sowieso und schadet obendrein der Umwelt: Denn in der ersten Minute nach dem Kaltstart sei der Spritverbrauch bis zu 50 Prozent höher, sagt der TÜV: „Ein durchschnittlicher Benzinmotor verbraucht in der Startphase rund 30 Liter Sprit auf 100 Kilometer und emittiert dann einen Großteil der Kohlenwasserstoffe“,  erläutert Philip Puls vom TÜV Süd. Anhand dreier Beispiele will der Verein die Autofahrer überzeugen.

Szenario eins: Ohnehin unterwegs und schnell eine Schleife zur billigeren Tankstelle drehen, um ein halben Cent pro Liter günstiger zu tanken

Selbst, wenn der Sprit gerade zur Neige geht, 60 Liter Super getankt werden sollen und die günstige Zapfsäule nur zwei Kilometer entfernt ist: Die Ersparnis von 30 Cent wird schon auf der Hinfahrt fast verbrannt. Denn ein Benziner mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,5 Litern hat bis zur Tankstelle schon 0,15 Liter Sprit geschluckt – zum Gegenwert von 21 Cent.

Bis hierhin also neun Cent gespart. Muss der Schnäppchenjäger nach der Füllung aber wieder auf die ursprüngliche Route und damit die zwei Kilometer zurück, werden erneut 0,15 Liter Sprit, also 21 Cent fällig. Das macht 12 Cent Mehrkosten – und ein knappes Kilogramm Kohlendioxid für die Umwelt. Dabei noch nicht eingerechnet: der Mehrverbrauch durch den Neustart nach dem Tanken.

Szenario zwei: In der markenungebundenen Tankstelle am Stadtrand auffüllen

Gerade in Industriegebieten locken freie Tankstellen mit günstigeren Preisen. Da sind ein paar Cent weniger pro Liter durchaus drin. Doch lohnt es sich, für jede Tankfüllung fünf bis zehn Kilometer zu fahren, um das Angebot wahrzunehmen? Bei gleichen Voraussetzungen wie im ersten Szenario spart der Spritpendler 1,80 Euro an der Kasse (bei einem Spritpreis von 1,45 Euro für den Liter Super-Benzin). Für die Fahrt an die Tankstelle hat er 0,38 Liter verbraucht und muss dafür 55 Cent abziehen. Fährt der Pendler wieder zurück, verdoppelt sich der Ausflugsverbrauch: 0,76 Liter Super und 1,10 Euro.

Insgesamt hat man 70 Cent gespart bei doppeltem CO2-Ausstoß: zwei Kilogramm Mehrbelastung für die Umwelt.

Szenario drei: Gerade am Alpenrand beliebt: Nach der Wander- noch eine Benzintour ins Spritsteuerparadies Österreich anschließen

44 Cent Mineralölsteuer fallen in Österreich pro Liter Sprit an, 65 Cent berechnet der deutsche Fiskus. Für 20 Cent Rabatt pro Liter kann man schon einige Kilometer fahren, denken viele. „Das stimmt auch grundsätzlich“, sagt Puls. „Zwölf Euro können pro Tankfüllung in Österreich schon gespart werden. Das entspricht einer Fahrtstrecke von 110 Kilometern.“

Die tatsächlichen Kosten pro gefahrenem Kilometer liegen inklusive der verstekcten Kosten wie Wartung, Steuern und Versicherung bei durchschnittlich 40 Cent, also dem Vierfachen der reinen Spritkosten. Bei genauer Rechnung schrumpfen nach Ansicht des TÜV also die durch die Spritkostenersparnis gewonnenen 110 Kilometer auf einen Vorteil von 27,5 Kilometer. „Stellt man sich die fünf Kilogramm Kohlendioxid dort vor, wo man gerade wandern war, lohnt sich die Extratour zur Tankstelle auch in diesem Fall nicht“, so Puls.

Was ist mit Diesel-Fahrzeugen?

Die Rechnungen fallen für Dieselfahrzeuge wenig anders aus. Aktuell ist Diesel rund 25 Cent günstiger als Super. Der Verbrauch ist ebenfalls geringer. Die Quintessenz aber bleibt laut TÜV gleich: Die reine Kostenersparnis an der Tankstellenkasse wiegt auch beim Selbstzünder die Mehrbelastungen für Umwelt und Sicherheit nicht auf. Der Tipp von Puls: „Auf überflüssige Fahrten verzichten, Sprit schonend fahren und bei ohnehin notwendigen Fahrten am besten immer direkt an der Strecke tanken.“


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