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Lange Ohren für Tuto und Wigmann von Gasteig

LebensArt
16. August 2010
von Otto Hartl

Das Grafinger Stadtarchiv enthält Dokumente verschiedener Jahrhunderte, anhand derer die Besiedelung des Grafinger Ortsteils Gasteig vor etwa tausend Jahren nachgewiesen werden kann. Archivleiter Bernhard Schäfer präsentierte auf der letzten Versammlung des Archivstammtisches mehrere Quellen, die sogar die Existenz Gasteigs als Sitz eines ehemaligen Ortsadels belegen.


Das „Herdstättenverzeichnis“ vom Landrichteramt Markt Schwaben aus dem Jahr 1445 belegt die Existenz der Anwesen im Grafinger Ortsteil Gasteig (Foto: Otto Hartl)

Aus der Mitte des 11. Jahrhundert stammt ein sogenanntes Cartular des Klosters Ebersberg. In diesem Güterverzeichnis heißt es auf Latein: „Testes per aures tracti sunt Adalpero de Sahsincheim, Patto de Tulihhigin, Tuto et Wicman de Gasteiga, Adalpero de Walda…“ Was so viel heißt wie: „Zeugen durch An-den-Ohren-ziehen sind Adalbero von Sachsenkam, Patto von Dilching, Tuto und Wigmann von Gasteig, Aldalbero von Wall...“. Das An-den-Ohren-ziehen war vor allem in der bayerischen Rechtsprechung üblich. Diese Gewohnheit sollte Augen- und Ohrenzeugen daran erinnern, was sie gesehen oder bezeugt hatten.

Weitere Dokumente sind nicht so alt. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt ein „Herdstättenverzeichnis“, das vermutlich ein herzoglicher Landrichter von Markt Schwaben in Auftrag gab. Gegliedert nach Pfarreien erscheint nach der Pfarrei Grafing auch Gasteig, in dem die Anwesen „Thedel“, „Haintz Mair“, „Ull Paumaister“ und „Schwaig“ aufgeführt sind. Im Jahr 1671 steht im Steuerbuch des Gerichts Markt Schwaben: „Wolf iezt Melchior Schwaiger von Gasta, besitzt ain Lechen, dem Stift Ebersperg gehörig…“.

Aus dem 19. Jahrhundert liegen zwei Ur-Katasterkarten im Grafinger Stadtarchiv, in dem die damals noch waldreichere Umgebung von Grafing, Ebersberg und Steinhöring eingetragen ist. Auf diesen erkennt Archivleiter Schäfer, dass auf der Straße von Grafing nach Traxl nach dem Ortsteil Engerloh links im Wald auf einer Anhöhe wohl im Mittelalter eine kleine Burg existiert habe. Aus dieser müsse im Wandel der Jahrhunderte die Ortschaft Gasteig hervorgegangen sein.


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